Martina Kirchhoff

Kommt man mit Martina Kirchhoff ins Gespräch, hört man die Stimme einer kommunikativen, überaus freundlichen und vielseitig interessierten Frau, die trotz einiger privater Schicksalsschläge ihr Leben in die Hand nimmt.
“Ich fühle mich hier wohl, richtig wohl fühle ich mich hier.”
Und nicht nur das. Sie fühlt sich zugehörig und würde selbst keine voreiligen Schlüsse ziehen über das Verhältnis zwischen Zuzüglern und Alteingesessenen oder irgendwelche fadenscheinigen Unterschiede zwischen ihnen machen.
Martina Kirchhoff stammt aus Thüringen und lebt seit 1989 in der Gemeinde Gerswalde in der Uckermark. Seit 1997 bewohnt sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und einer Katze ein Einfamilienhaus in Gerswalde. Bald kommt auch ihr Sohn in das elterliche Heim zurück.
Sie hat immer gejobbt und sich mit verschiedenen Arbeiten über Wasser gehalten, alles gemacht von Kindergarten bis Küche. Aktuell arbeitet sie in Warnitz als Abwaschkraft. Seitdem sie ihre Arbeit hat, geht es ihr deutlich besser und sie kann sich Dinge leisten, die zu besitzen vorher undenkbar war. Dennoch lebt sie bewusst bescheiden und sagt von sich: “Ich bin eigentlich ein Sparfuchs. Ich sammle Zeitungen, ich sammle Schrott. Ich sammle auch jede Pfandflasche von der Straße auf.” Richtig abgesichert fühlt sie sich nicht und das ist auch etwas, das sie mit gewisser Enttäuschung über den hiesigen Staat sagt.
“Ich rede eigentlich gerne, muss ich sagen.” und sie lacht so herzlich dabei.
Sie scheut sich nicht ihre Meinung zu sagen. Sie ist klar und direkt, auch wenn es darum geht, heikle Punkte anzusprechen. Nun, da sie einen erwachsenen Sohn zu pflegen hat und er zumindest zeitweise an den Rollstuhl gebunden ist, fällt ihr auf, wie dringend die Wege des Dorfes hergerichtet werden müssten und dass viele Einrichtungen in ihrer Region beim Thema Barrierefreiheit hinterherhinken. Man spürt ihre tiefe Liebe zu ihrem Sohn, dem sie bei seiner Ankunft im elterlichen Heim so viel wie möglich erleichtern möchte. Dazu gehört für sie eben auch eine barrierefreie Umgebung und eine aktive Gemeinde, die sich dem Gemeinwohl aller Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll stellt.
Für die Jugend wünscht sie sich mehr Angebote, damit die jungen Menschen nicht immer nur in der Bushaltestelle abhängen müssen. Und am allerwichtigsten wäre es, eine regelmäßig geöffnete Gaststätte zu haben, damit sie ab und zu nach ihrem Spaziergang ein, zwei gezapfte Bierchen trinken kann. Das mag sie so gerne. Martina Kirchhoff würde sich auch dahingehend einbringen und meint: “Wenn ich das Geld hätte, habe ich schon immer gesagt, ich würde so eine Gaststätte gerne unterhalten.”
Das ist Zukunftsmusik, tatsächlich engagiert sie sich bereits im Förderverein Wasserburg Gerswalde e.V. und war beteiligt am Aufbau der Radlerherberge in Groß Fredenwalde. Geschichte ist ihr Ding und so hat sie zu der Entstehung der Herberge eine Chronik verfasst.
“Wenn ich frei habe, jeden Tag, gehe ich meine Runden. Da stört mich auch der Regen nicht.”
Sie liest viel, geht leidenschaftlich gerne im See schwimmen und schaut sich mit Interesse die Umgebung an. Für all das hat sie hier in der Uckermark einen sehr guten Lebensort gefunden. Die Luft hält ihr Asthma im Zaun. Und der “Garten ist unser Domizil”. Sie baut Obst und Gemüse selbst an.
Ihr Dorf bietet ihr alle lebenspraktischen Notwendigkeiten, der Arzt, die Physiotherapie, die Kaufhalle und der Friseur sind zu Fuß leicht zu erreichen. Offen für Neues ist sie immer. Da gibts auch passende Entwicklungen im Dorf: Die Räucherei und ein kleines Café, von zwei Japanerinnen betrieben. Martina Kirchhoff wünscht sich lediglich, dass diese ganzjährig geöffnet wären. Sushi und Fisch isst sie nämlich gerne.

Text: Katja Zimmermann

Fotos: Axel Lambrette