Dorita Kosky

Dorita Kosky, ist neu, lang oder irgendwie dazwischen in dieser Region.

Sie pendelt bisher halbjährlich zwischen Berlin und der Uckermark. Genau genommen ist Dorita Kosky in Flieth-Stegelitz, einer uckermärkischen Gemeinde der Amtsregion Gerswalde gelandet. Und so ganz genau hält sie sich eigentlich in Stegelitz auf. Denn diese formale Zusammenlegung – so berichtet sie – bedeutet den Bewohnern und Bewohnerinnen von Flieth und Stegelitz herzlich wenig.

Ihr Ziel ist das Gartenbistro. Das ist jetzt ihr Traum und ihre Existenz, dem geht sie konsequent nach. Es ist nicht das Zuhause der Kindheit, aber das elterliche Heim, was sie der Mutter abgekauft hat und nun hier saisonal bewirtschaftet. Bis zur Eröffnung des offenen Bistros hat sie sieben Monate benötigt. Das war nicht die Zeit des Haderns, die war schon lange vorbei, sondern der Prozess mit der Bau- und Standgenehmigung. Eigentlich wollte sie einen geschlossenen Ort eröffnen mit WC, aber dann hätte sie letzten Sommer noch immer nicht loslegen können. Natürlich: “Jetzt ist es eigentlich schwieriger für mich das alles allein zu machen, aber es ist alles viel schöner.” Und man sieht ihr ihre Freude an dieser Arbeit an, auch den Stress. Von ihrem vollen Angebot an Kuchen, belegten Brötchen und kleinen Gerichten würde sie gänzlich nichts abbekommen, wenn sie die eigenen Rezepte und Produkte aus eigenem Anbau nicht verkosten würde.
Aber das gehört jetzt in der Aufbauphase dazu.

Mit einigem Stolz erzählt sie, dass ihr ehemaliger Chef sie bereits hier besucht hatte und sich mit eigenen Augen vergewissern wollte, dass sie wirklich ihr eigenes Bistro aufgebaut hat. Stammgäste gibts inzwischen auch schon.
Hinge es nur an ihrer Persönlichkeit, dann hat sie jedenfalls sehr gute Chancen, dass sich Doritas Gartenbistro in diesem Jahr noch besser entwickelt. Sie ist sehr engagiert, kontaktfreudig und vor allem gastfreundlich. Zwar kann sie kaum still sitzen, wenn die Tassen und Teller ihrer Gäste nicht gefüllt sind, dennoch für das Geschäftliche kann sie eine ungeheure Geduld aufbringen.

Geboren und zur Schule gegangen ist sie in Templin, verbrachte aber die meiste Zeit auf dem Pferdegestüt Lindenhof bei Templin in der Uckermark. Die Eltern bewohnten eine kleine Mietswohnung und ihre Kindheitserlebnisse und Erziehung genoss sie quasi auf dem Gestüt. Der Vater war dort der Chef der Pflanzenproduktion. Die Kindheit war erfüllend und spannend zugleich, umgeben von Natur und Tieren und insbesondere von Pferden, die auf dem Lindenhof für die Trabrennbahn in Karlshorst gezüchtet wurden.

Nach der Schulzeit musste sie erst einmal raus, hinaus in die weite Welt. Die weite Welt hieß zunächst Waren an der Müritz, um hier eine Lehre in der Gastronomie zu machen. Dann kam Rostock und weil das noch nicht groß genug war, sollte es dann Berlin werden. Hier blieb sie um die 30 Jahre und arbeitete die letzten 12 davon mit viel Freude als Kellnerin in der Gastronomie Abteilung im Restaurant des KaDeWe.
Dann veränderte sich die Stimmung drastisch. Der Wechsel auf die sechste Etage in die Feinschmeckerabteilung: “Das war nicht mein Ding”. Fünf Jahre hat sie das durchgezogen und gleichzeitig beobachten können, “Die Leute wurden immer anspruchsvoller, alles musste immer schneller und besser gehen, das Personal wurde immer weniger und die Kunden waren immer unzufriedener.”. Letzten Endes empfand sie Berlin als zu anstrengend und suchte nach einer neuen Herausforderung. Der Entscheidungsprozess für die Selbstständigkeit in der Uckermark hat vier bis fünf Jahre gedauert.

Vereinfacht durch den schlechten Gesundheitszustand ihrer verwitweten Mutter, hat sie Nägel mit Köpfen gemacht und das 1986 von den Eltern gebaute Eigenheim in Stegelitz über die LPG der Mutter abgekauft. Nun pendeln sie beide saisonal zwischen Berlin und der Uckermark. In Berlin haben sie getrennte Wohnungen und wenn es wieder Zeit fürs Bistro wird, bewohnen sie gemeinsam das Haus in Stegelitz. Dorita bewirtschaftet das Bistro und die Mutter besucht die Tagespflege in Gerswalde.
“Ich führe im Grunde das fort, wofür meine Eltern gelebt haben.”. Der Vater hat alles selbst angepflanzt, das Gewächshaus angelegt und immer hatten sie zwei bis drei Schweine auf dem Gehöft. Jetzt pflanzt Dorita Tomaten, Zucchini, Gurken und Kürbisse an und “Das macht mir so richtig Spass.”

Dorita hat viele Ideen und Pläne für die Zukunft. Sie will mehr in die Öffentlichkeit dringen und denkt über Flyer nach, aber auch über neue Events, die Grund für Zusammenkünfte und Grillabende bieten hier bei ihr auf dem Grundstück des Bistros. Und irgendwann einmal könnte sie sich auch vorstellen eine kleine Gaststätte zu betreiben.

Das Dorfleben, findet sie, ist einfach viel angenehmer als das Stadtleben. Aber sie wünscht sich, dass es aktiv ist und offen für neue Menschen sein soll. Dafür, betont sie, müssen sich die Menschen auch alle etwas Mühe geben.
Auf Rädern vorbeikommende Touristen sind für sie ebenso willkommen wie Neuzugezogene. Denn sie kennt auch die Vorurteile der langjährigen Bewohnerinnen und Bewohner, die sich oftmals gegen “die Neuen” stellen und sagt energisch: “Ich bin doch froh, wenn hier ein Radfahrer, ein neuer Gast vorbeikommt. Es geht doch um meine Existenz. Was sollte dagegen sprechen, wenn man hier Gäste offen empfängt, die sich die Gegend anschauen wollen?”. Auch entgegen mancher Ansichten, sieht sie in den Zuzüglern keine “Ruhestörer”, sondern interessierte Mitbewohner, die das Dorfgeschehen beleben und mitgestalten können.
Sie stellt fest, man will sich schon treffen und austauschen, zumindest die meisten. Aber das Leben auf dem Land hat sich stark geändert und “Es sollte eigentlich eine Gemeinschaft sein, aber es ist keine Gemeinschaft. Das muss sich erst wieder entwickeln. Das braucht noch ein paar Jahre.” Sie ist überzeugt, Doritas Gartenbistro kann dazu eine Gelegenheit sein.

Geduld, die braucht man hier, aber nun ja, die hat sie ganz gewiss.

Text: Katja Zimmermann

Fotos: Axel Lambrette